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Eine Brücke zwischen Linz und Linz

Delegation der Bunten Stadt besuchte sächsische Partnergemeinde

LINZ. Ganz in der Nähe von Linz war Winnetous Papa Karl May zu Hause und ein waschechter König nannte dort eines seiner unzähligen Lustschlösschen sein eigen. Was sich anhört wie die Auswirkung des ersten Sonnenbades in diesem Jahr, hat geographisch gesehen einen ganz realen Hintergrund. Nämlich dann, wenn die Gemeinde Linz in Sachsen gemeint ist. Eben dorthin führte kürzlich ein Partnerschaftsbesuch einer Delegation von "Rheinlinzern".

Denen war kein Weg zu weit - schließlich liegt die sächsische Gemeinde ungefähr so weit im Osten Deutschlands wie die Bunte Stadt im Westen. Insgesamt rund 1200 Kilometer Fahrtstrecke für einige schöne Stunden investieren - da hat der Partnerschaftsgedanke das Stadium netter Sonntagsreden längst überschritten. Tatsächlich war das Gros der Mitgereisten mit Stadtbürgermeister Adi Buchwald schon zum wiederholten Mal in das ehemalige Königreich Sachsen nach Linz, das unweit der Grenze zu Brandenburg rund 30 Kilometer nördlich von Dresden gelegen ist, gereist.

Wie viel auch den sächsischen Linzern an der Verbindung zu ihren rheinischen Namensvettern gelegen ist, wurde vor allem an deren gelebter Gastfreundschaft deutlich. Da stand als Quartier eben nicht nur das Hotel, sondern auch das eigene Heim zur Verfügung, da wurde das Spanferkel zum Abendessen aus eigener Tasche bezahlt und ein durchaus außergewöhnliches und interessantes Programm ausgearbeitet. Dieses beinhaltete neben einer Führung durch die Gemeinde unter anderem auch eine Fahrt nach Elbflorenz.

Nicht nur, dass Dresden seinem schmucken Beinamen allein aufgrund des Wetters gerecht geworden wäre, nein, die sächsische Metropole präsentierte sich den Rheinlinzern zumindest auch im Stadtbild in fast voller Blüte. Schließlich hat die bei den Bombenangriffen des 2. Weltkriegs zerstörte Frauenkirche beinahe schon wieder ihre ursprüngliche Gestalt angenommen - eine Leistung, zu deren Verständnis nicht zuletzt auch die von der Partnergemeinde Linz organisierte Multi-Media-Präsentation der für den Wiederaufbau zuständigen Architekten beitrug.

Aus dem einstigen Schuttberg waren die Steine einzeln lokalisiert, nummeriert und erst dann abgetragen worden, um später an ursprünglicher Stelle wieder ihren Platz zu finden. Nun ist bei den historischen Gebäuden das imposante Kulturerbe bekanntlich das eine und dessen Finanzierung das andere. In Linz/Sachsen etwa wird noch dringend nach Mitteln für die Unterhaltung eines Neorenaissance-Schlösschens gesucht.

Wie Bürgermeister Hans-Joachim Weigel gegenüber dem Geschäftsführer der Gesellschaft für Stadtentwicklung- und Touristik der Stadt Linz, Thomas Herschbach, erläuterte, käme eine Finanzierung durch die Kommune aufgrund der Haushaltslage nicht in Frage. Zwar habe sich ein Förderverein des Kleinods angenommen, doch letztlich gelte es, einen privaten Investor zu finden, dem von Seiten der Denkmalpflege zumindest nicht zu viele Steine in den Weg gelegt würden. Da lohnt es sich, den Begriff "Denk Mal" zweizuteilen.

Dies galt im übrigen auch für die famose Leistung Jugendlicher aus dem ostdeutschen Linz, die in Eigeninitiative, mit viel Elan und ohne Fördermittel ihr Jugendzentrum neu gestalteten.
Wer selber mit anpäckt, steht automatisch hinter der Sache und macht sie nicht kaputt: keine Frage, dass sich davon die Gäste aus der Bunten Stadt gemäß der Devise "Zur Nachahmung empfohlen" beeindruckt zeigten.

Vielleicht lag es ja eben auch am gegenseitig über Jahre gewonnenen Eindruck, dass Organist Frank Schneider bei seinem Konzert in Großkmehlen auf einer der wenigen Silbermann-Orgeln das Lied "Lobet den Herren" im Repertoire hatte. Und als die elfjährige Lydia Schneider für Stadtbürgermeister Adi Buchwald ein Bild mit dem Wappen von Linz zu Papier gebracht hatte war klar: Die Linzer haben nicht nur in ihrem Wappen den Schlüssel im Wappen, sondern sie haben ihn auch für eine starke Freundschaft zu ihrer sächsischen Partnergemeinde gefunden.

Linz zeigt Flagge für Linz - dies galt für den „Rheinlinzer" Stadtbürgermeister Adi Buchwald ebenso wie für dessen ostdeutschen Amtskollegen Hans-Joachim Weigel.