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Rheinsteig Tour rund um Linz mit Harald Schmidt
Das Wander-Tagebuch von Holger Wienpahl

Freitag, 25. Mai 2007, 9.30 Uhr: Linz am Rhein. "Auf Zack" muss man sein bei Harald Schmidt. Von Beginn an. Sitze noch beim Frühstück als der Anruf kommt. Harald Schmidt sei schon da, heißt es - eine halbe Stunde früher als verabredet. Ich lasse alles stehen, packe meinen Rucksack und ab geht es. Im Laufschritt an die Rheinanlagen Linz. Gelassen steht er neben Mona - einer unserer beiden Aufnahmeleiterinnen. Komme dazu. Freundliches "Hallo" von Schmidt. "Habe meinen Sohn noch in die Schule gebracht", sagt er und "dann bin ich direkt durch gefahren".Wir reden über unsere Kinder. Ich zeige ihm meine beiden auf dem Foto-Handy. Er erzählt von seinen. "Bald kommt unser Viertes." Einfach nett, denke ich.

9.45 Uhr: Ankunft in Dattenberg. Hier beginnt der Dreh. Habe das Gefühl: Unser Team ist heute ein bisschen aufgedrehter als sonst. Schmidt wird belagert - bleibt locker.

Wir marschieren los. Harald Schmidt legt ein richtig gutes Tempo vor. Kein Wunder: der Mann ist lang. Knappe zwei Meter. Versuche ihm zu folgen.

Nach zehn Minuten nimmt mich Kameramann Uli auf die Seite. Er schwitzt. Mehr als normal. Fast flehentlich sagt er: "Ihr seid zu schnell - ich muss 20 Kilo schleppen. Bitte etwas langsamer." Wir drosseln das Tempo. Und ich denke: langsam gehen ist noch eine der leichtesten Übungen. Zuhören ist viel schwieriger. Noch schneller als seine Beine arbeitet Schmidt´s Kopf.

Unglaublich, denke ich. Der Mann ist kaum zu fassen. Eben noch ernst, im nächstenMoment wieder ein Gag. "Auf Zack", eben. Wir reden über sein Vorbild. Rudi Carrell. Kurz vor dessen Tod hatte Schmidt noch eine Art "Audienz" bei ihm. Unsentimental. Ehrlich, offen - so sei Carrell gewesen. Spüre, wie sehr Harald Schmidt diese Begegnung beeindruckt hat. Um dann fortzufahren: "Ich würde gerne auf hoher See sterben - zack und weg. Aber bitte nicht in der Ostsee. Ein bisschen mit Stil wäre schon angebracht. Also: Wenn, dann bitteschön vor den Cook-Islands."

Denke: Ich würde auch gerne mal eine Kreuzfahrt machen.

11.45 Uhr: Kaiserbergstadion Linz. Treffen mit "Schmidt´s WegGefährte"
Walter Schumacher ist da. Seit 13 Jahren Regierungssprecher in Rheinland-Pfalz. So lange wie keiner vor ihm. Früher war er Radio-Moderator bei SWF3. Die beiden kennen sich seit 25 Jahren. "Damals war ich noch in ganz Deutschland Klinken putzen", sagt Schmidt, "damit mich mal einer ans Mikrophon läßt." Walter Schumacher war bei SWF3 der Erste, der ihn ran ließ. Seitdem kennen und mögen sich die beiden.

"Wenn Walter mitwandert, dann bin ich auch dabei." Das hatte uns Harald Schmidt ausrichten lassen, als wir ihn für unser Projekt angefragt hatten. Walter Schumacher liebt - genau wie Schmidt - politisches Kabarett. Wurde er deshalb Regierungssprecher? Gemeinsam mit einigen Bekannten hat Schumacher gerade das Mainzer "Unterhaus" übernommen. Eine der renommiertesten Kleinkunst-Bühnen Deutschlands.

Kurze Umarmung zwischen den beiden. Harald Schmidt sagt, er würde gerne mal wieder politisches Kabarett machen. Aber nicht nach dem Motto "ůvier alte Männer haben recht - sprich: Scheibenwischer." Beide lachen. Ich denke: für den Moment bin ich überflüssig. Aber das ist "wurscht". Macht einfach Spaß, die zwei zu beobachten.

Vor laufender Kamera geben sich beide die Hand. Schmidt verspricht Schumacher, so bald wie möglich im Unterhaus aufzutreten. Mit einem neuen Programm. "Aber nur auf der Großen Bühne", sagt er. "Das letzte Mal musste ich auf die Kleine, weil Herbert Bonewitz auf der Großen war. Und als ich längst beim Bier war, bekam Bonewitz oben immer noch Applaus."

13 Uhr: Schmidt will durch Linz laufen. War eigentlich gar nicht vorgesehen. Aber: "Ich möchte einmal so jovial wie ein Ortsbürgermeister durch eine Stadt laufen", sagt er.

Jetzt müssen alle "auf Zack" sein. Das Team, Schumacher, ich und vor allem: die Linzer. Schmidt spricht sie alle an - noch ehe die Linzer ihn ansprechen können. "Heute schon Epo-Spritze?", fragt er den jungen Radfahrer mit dem hochroten Kopf. Und dem jungen muslimischen Schüler vom katholischen Gymnasium, gibt er ein "so weltoffen ist also Rheinland-Pfalz" mit auf den Weg. In aller Ruhe studiert er die Linzer Immobilien-Angebote und lässt sich danach mit der italienischen Pizza-Bäckerin vor ihrem kleinen Imbiss fotografieren. Für 15 Minuten:
Ausnahmezustand in Linz.

14 Uhr: Ankunft an der Burg Ockenfels. Sie gehört Famile Birkenstock. Gestern erst haben wir die Drehgenehmigung bekommen. Das ist klasse. Noch keine fünf Minuten, da bestürmt uns der Geschäftsführer des Unternehmens. Aber, was heißt "UNS"? Augen hat er nur für Harald Schmidt. Welche Schuhgröße Schmidt habe, will er wissen, ob er immer noch privat Birkenstock-Schuhe trage und dass es jetzt eine ganz neues Schuh-Modell gibt: Birkenstocks mit Zehen-Steig. Man könnte auch sagen stabile Flip-Flops.

Schmidt hat Spaß. Vor allem am Begriff "Zehen-Steig".Was könnte man daraus für Filme machen, sagt er. "Tod am Zehen-Steig" oder "Mit Reinhold Messner rauf auf den Zehen-Steig." Ich dagegen bin ein wenig beleidigt - über soviel Ignoranz mir und den anderen gegenüber. Und wahrscheinlich denke ich auch nur deswegen über diesen COO (Chief Operating Officer), dass er besser - statt über Gesundheitsschuhe - mal über gesunde Ernährung nachdenken sollte.

14.30 Uhr: Rast am Rande der Burg. Blick bis nach Remagen und auf die Burg von Thomas Gottschalk "Die hat er sich verdient", lacht Schmidt. Und dann: "die Bänke, die Aussicht hier. . . alles wie in `Fröhlicher Weinberg`. Im Mittelpunkt aber: der Fleischwurst-Ring auf dem Tisch vor unseren Nasen. Requisiteur Lothar hat sie extra für Walter Schumacher besorgt. Bei dessen Lieblings-Metzger in Mainz. Schumacher, scheint mir, ist durchaus gerührt. "Diese Wurst", sagt er, "hat schon Pokale gewonnen, ich schmecke sie raus aus tausend anderen."

Schmidt beißt zu. Sagt aber nichts. Dafür setzt er sich eine Mütze auf. "60 Jahre Rheinland-Pfalz" steht drauf. Schmidt gefällt´s.

Und so sitzen wir alle eine knappe Stunde lang zusammen. Auch noch als die Kameras längst abgebaut sind. Und beim Abschied sagt Harald Schmidt: "Bis zum nächsten mal - bei anderer Gelegenheit". Na dann: ".. zack zack"

Die Sendetermine jeweils montags, 18.15 Uhr:

4. Juni: Dieter Kürten
11. Juni: Johann Lafer
18. Juni: Dr. Markus Merk
25. Juni: Susanne Fröhlich
2. Juli: Dr. Theo Zwanziger
9. Juli: Claudia Kleinert
16. Juli: Hansy Vogt
23. Juli: Harald Schmidt
30. Juli: Wolfgang Niedecken