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Mit dem BAP-Chef "on (Rheinsteig) Tour"

Linzer Stadtmanagement begleitete Wolfgang Niedecken bei SWR-Dreharbeiten

-von Thomas Herschbach-

LINZ/REGION. "Nimm mich mit, einfach mit, irgendwohin, wohin weiß ich nicht". Die Tour, die BAP-Chef Wolfgang Niedecken kürzlich unternahm führte allerdings weniger ins Blaue unbekannter Weiten wie in dem gleichnamigen BAP-Song, als vielmehr auf den populären Rheinsteig nach Linz.

Dabei hatte das Linzer Stadtmanagement, das den SWR bei den Dreharbeiten zur Senderreihe "Weggefährten am Rheinsteig" unterstützt, die Gelegenheit, Wolfgang Niedecken sozusagen "on (Rheinsteig) Tour" zu begleiten.

10 Uhr Freitagvormittag: Regen an der Burg Ockenfels, als Wolfgang Niedecken bestens gelaunt in der malerischen Anlage betrifft: "Tach zusammen, alles im Lot?" fragt und verschwindet in der Maske. Nicht ohne "erstmal ein Käffchen" zu sich zu nehmen.

Von Burg Ockenfels führt die Wanderung hinunter nach Kasbach. Vor dem steilen "Rheinsteig-Treppauf" am Basaltbrunnen schon ein erster Zwischenstopp auf ein Linzer Käsebrötchen - der BAP-Chef ist Vegetarier. "Scheint hier eher eine Picknickveranstaltung als eine Wanderung zu sein", grinst der tourerfahrene Wolfgang Niedecken.

In der Tat. Der BAP-Gründer erzählt mir von seinem Trip nach Patagonien, wo er mit seinem besten Kumpel, einem Hersteller von Outdoor- Mode, die neueste Kollektion testete. "Zuerst kam der Vorschlag Australien, da war es mir zu heiß, dann hieß es Argentinien und im Hochland Patagoniens sind wir an einem Tag 600 Meilen mit dem Geländewagen über das Hochland gefahren und sind gewandert, ohne eine Menschenseele zu sehen. Wolf gang Niedecken gerät ins Schwärmen: Er erzählt von seinem Anwesen in der Eifel, von der Ruhe, die er dort findet, um zu sich selbst zu kommen. Er erzählt von ausgedehnten Wanderungen und ihrer meditativen Wirkung und dass das Landleben wie eine Frischzellenkur wirken kann: "Du kommst aus der Stadt, steigst aus dem Auto und bist in einer Welt, wo sich alles andere relativiert". Das kann ich ebenso nachempfinden wie den Kick ausgedehnter Touren durch die Einsamkeit.

Dem steilen Anstieg auf die Erpeler Ley folgt eine Brotzeit-Pause. Gelegenheit für weitere Unterhaltungen: "Mein Vater ist in Unkel-Scheuren geboren. Ganz früher war ich ein paar mal da, aber was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, waren die Besuche bei meinem Onkel Albert in Scheuren. Der hatte einen Neufundländer, der Wotan hieß - toller Name oder? Als kleiner Panz ist der mir damals riesig groß vorgekommen. Ein super Hund." Niedecken fragt, was ich denn so genau mache, und ich berichte ihm von der Umwandlung des Verkehrsamtes in eine GmbH, von meinen Aufgaben und von der Linzer Stadtgeschichte rund um die Kur-Kölner Historie. Auch der BAP-Boss weiß über Linz so manches zu erzählen: Etwa, dass der erste BAP-Gitarrist Hans Herres in Linz einmal einen Kunstwarengeschäft ("Sag` mal, gibt es den noch"?) mit asiatischen Accessoires betrieben hatte. Oder von einer der beliebtesten Veranstaltungen in Linz - als wir auf der Rückfahrt von Unkel später vor den Bahnviadukten abbiegen, fallen ihm direkt die Antik-Trödelmärkte ein. Und man lernt auch manches dazu. "Wusstest Du, dass die Rheinuferbefestigung aus den Resten der Kölner Stadtmauer errichtet wurde?" Nein, wusste ich nicht. Dafür aber, dass eine von Niedeckens Lieblingsbands demnächst in Köln aufspielt. "Ob ich zu Aerosmith fahre, weiß ich noch nicht, denn eigentlich ist jetzt erstmal Entspannung auf dem Land angesagt. Außerdem wollte ich zwei Tage vorher zu Lou Reed nach Düsseldorf. Julian Schnabel habe dort nämlich das Bühnenbild kreiert." Es stellt sich heraus, dass Wolfgang Niedecken mit eben jenem Julian Schnabel, heute einer der am meisten angesehenen Künstler der Moderne, einst für längere Zeit seine Wohnung geteilt hatte. Das verbindet. Schließlich hat sich Niedecken nicht nur als Rocker, sondern auch als Maler einen Namen gemacht.

Zum Gesamteindruck eines abwechslungsreichen und interessanten Nachmittags mit Wolfgang Niedecken passt nach sechs Stunden "Dreh und Talk" auch der Abschied an der Burg Ockenfels.

"Hat alles gepasst. Wir sind im Regen losmarschiert und durch alle Wetterbedingungen hindurch in der Sonne gelandet", meint Niedecken durchaus symbolisch. Folgerichtig habe ihm an der Tour am besten gefallen, dass sie getreu der Devise "nur eitel Sonnenschein" nicht abgesagt worden sei.

"Wenn Ihr Lust habt, zum BAP-Konzert nach Mainz zu kommen, sagt Bescheid, ich setze Euch auf die Gästeliste." Spricht`s und verschwindet nach einem kräftigen Händedruck in sein Auto. Ab geht es Richtung Köln. Dort ist für Niedeckens abends noch ein Konzert mit dem chinesischen Pianisten Lang Lang angesagt. "Tja, da ist Abendgarderobe Pflicht - die besteht dann bei mir aus einer schwarzen Jeans und einem weißen Cowboyhemd".

Nochmals kurz aus dem Auto gewunken und dann ist er weg. "Maach et jot".

Die Rheinsteig-Sendung "Weggefährten" mit Wolfgang Niedecken wird am Montag, 30. Juli, 18.15 Uhr in Südwest 3 ausgestrahlt. Bereits am 23. Juli ist die Rheinsteig-Folge mit Harald Schmidt von Dattenberg nach Linz zur gleichen Zeit zu sehen.

"Zurück zu den Wurzeln" hieß es für Wolfgang Niedecken auf Rheinsteig-Tour. Der Linzer Stadtmanager Thomas Herschbach (links) hatte Gelegenheit, den BAP-Chef einen ganzen Tag im Rahmen der Dreharbeiten zur SWR-Serie "WegGefährten am Rheinsteig" mit Moderator Holger Wienpahl (rechts) zu begleiten.