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Die Schönheit einer einzelnen Blüte

Editha Leppich gewürdigt - Lange Jahre in Linz gelebt - Deutsche Ikebana-Schule feierte 50-jähriges Jubiläum auch in der Bunten Stadt

LINZ/ AACHEN. Autos, Computer, Kameras und die Vorliebe für den Verzehr roher Fischspezialitäten hat das Land der aufgehenden Sinne schon früh in das alte Europa importiert. Wesentlich länger steht eine durchaus lebendige japanische Kunstform auch in Deutschland in voller (Erfolgs-)blüte - Ikebana: die etwas anderen Blumenarrangements.

Nun feierte die Erste Deutsche Ikebana-Schule ihr 50-jähriges Bestehen. Unter anderem im Festprogramm: der Besuch in Linz - dem Ort, an dem Editha Leppich zu Hause war.
1959 gründete Editha Leppich in ihrer "Galerie für ostasiatische Kunst in Köln diese Schule, die seit ihrem Tod von ihrer Nichte Renate Kronauer in Aachen fortgeführt wird.


Renate Kronauer hatte sichtlich Freude am Empfang durch Stadtbürgermeister Adi Buchwald und dem Geschäftsführer der Stadtentwicklungs- und Touristikgesellschaft Linz am Rhein mbH, Thomas Herschbach


Leppich lebte in den 30er und 40er Jahren als Kunsthändlerin in Peking. Auf ihren Skireisen in Japan entdeckte sie die ungewöhnlichen Arrangements, die sie schließlich an den drei großen Ikebana-Schulen Japans studierte. "In Deutschland entwickelte sie zusammen mit einer Gruppe von Idealistinnen ein Konzept für Europäer", sagt Kronauer. "Es entspricht der hiesigen Flora, den Wohnverhältnissen, aber auch der Kultur. "Sie hat es sozusagen übersetzt", erklärt Kronauer weiter. "Doch es handelt sich noch immer um authentisches Ikebana", das Editha Leppich vor allem auch n ihrem Linzer Domizil in der Beethovenstraße weiter verfeinerte.

Im Ikebana sammelt der Künstler Blüten und Zweige und arrangiert sie dann nach klaren Regeln und Grundformen in einem passenden Gefäß. Dabei wird immer das Prinzip eines asymmetrischen Dreiecks verfolgt. Schlicht und diskret - das Einfache ist gewollt.
"So kann man die Feinheiten, wie die zierlichen Adern einer Blüte, bewusst wahrnehmen. Im Alltag wie auch im normalen Blumenstrauß übersieht man das ja eher", erklärt Kronauer. Die Komposition in drei Hauptlinien - Himmel, Mensch, Erde - ist vom buddhistischen Weltbild inspiriert. Somit unterscheidet sich Ikebana grundlegend von den in Deutschland üblichen Blumengestecken, sagt Kronauer: "Aber die sind auch wunderschön und ich will sie gar nicht missen".

Als einzige in der Familie führt Kronauer noch heute diese Tradition fort.
Die Latein- und Religionslehrerin im Ruhestand unterrichtete Ikebana bereits am Städtischen Gymnasium Würselen und später am Bischöflichen Pius-Gymnasium in Aachen. Heute lehrt sie die Kunst vor allem an der Europa-Grundschule Passstraße. "Es ist eine Herausforderung, den Kindern diese Kunst zu vermitteln", sagt sie. Stille, Konzentration, künstlerische sowie sprachliche Kompetenz sind die Ziele des Unterrichts. Und natürlich die Augen für das Schöne am Wegesrand zu öffnen", erklärt Kronauer.

Über die Unterstützung im Ikebana-Unterricht durch engagierte Mütter freut sie sich besonders. "Wir machen Ikebana und Sprache", sagen Frau Phan und Frau Toclucu, und man sieht ihnen die Begeisterung an.


Für einige Monate wegen der anstehenden Dachsanierung wohl eines der letzten Fotos vor der "freien" Front des Historischen Rathaus Linz: Die Teilnehmer des Empfangs "50 Jahre Erste Deutsche Ikebana Schule" mit Stadtbürgermeister Adi Buchwald.


Der Erfolg der Ersten Deutschen Ikebana-Schule wurde nunmehr würdig gefeiert. Für Linz hatte Renate Kronauer seit dem vergangenen Jahr in Abstimmung mit der Stadtentwicklungs- und Touristikgesellschaft ein Programm vorbereitet, zu dem auch eine Stadtführung mit Fritz Ockenfels sowie ein Empfang im Historischen Rathaus durch Bürgermeister Adi Buchwald zählten. Neben der Power-Point-Präsentation über das Leben Editha Leppichs, waren es die sachkundig-humorvollen Ausführungen des Linzer Stadtchefs über Geschichte und Gegenwart der Bunten Stadt, die die Festteilnehmer begeisterten. Das lässt sich auch aus der Rückmeldung von Renate Kronauer ableiten: "Herzlichsten Dank, dass Sie geholfen haben, unser Fest zu einem solchen Erfolg zu machen. Alle sind des Lobes voll". Und dafür gab es einen ganzen Schwung Aachener Printen.

Informationen unter www.erste-deutsche-ikebana-schule.de